Lebensstationen der Brüder Grimm

In sechs Städten, Hanau, Steinau an der Straße, Marburg und Kassel sowie Göttingen und Berlin, haben Jacob (1785 – 1863) und Wilhelm (1786 – 1859) Grimm gelebt, gelernt, gewirkt. Spuren haben sie und ihr „Malerbruder“ Ludwig Emil aber auch in zahlreichen anderen Städten und Landgemeinden in Hessen und darüber hinaus hinterlassen. Die Deutsche Märchenstraße lädt dazu ein, ihnen zu folgen.

Hanau

„Nicht minder lebhaft steht mir noch in Gedanken, wie wir beide, Jacob und ich, Hand in Hand über den Markt der Neustadt (…) gingen (…) und in kindischer Freude stehen blieben, um dem goldenen Hahn auf der Spitze des Turmes zuzusehen, der sich im Winde hin und her drehte.“

Auf just diesem Marktplatz wurde 1896 das Nationaldenkmal der Brüder Grimm eingeweiht; seit 1975 ist es auch Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße.

Hanau darf seit 2006 offiziell die Bezeichnung Brüder Grimm-Stadt tragen – hier erblickten Jacob und Wilhelm sowie Ludwig Emil Grimm das Licht der Welt. Die Stadt würdigt ihre berühmten Söhne mit Gedenktafeln und historischen Stadtführungen, den alljährlichen Brüder Grimm Festspielen sowie immer neuen Projekten und Veranstaltungen.

Steinau

Nach eigenen Worten verlebten die Grimms in Steinau "eine schöne Kindheit, deren Eindrücke zeitlebens für sie unvergeßlich waren". So schreibt Jacob Grimm: "In meiner Heimat haften, das fühle ich, meine lebhaftesten Triebe und Anregungen. Ich habe dort den frischesten und glücklichsten Teil meines Lebens zugebracht". Steinau, die so gelobte Heimatstadt der Brüder, hat sein Gesicht bewahrt - auch heute noch wäre es den Grimms vertraut.

1791 zog die Familie des Amtmanns Grimm nach Steinau, in das über 200 Jahre alte Amtshaus. Als „Brüder Grimm-Haus“ lädt es heute dazu ein, Spuren ihres Lebens und Wirkens zu entdecken sowie in die Grimmschen Märchen einzutauchen. Eine weitere Ausstellung zu den berühmten Brüdern wird im wenige Meter entfernten Schloss gezeigt.

Marburg

„In Marburg studierten sie.“ (Hermann Grimm)

In Briefen schwärmten die Grimms vom „Schloss auf dem Berge“, das „von der Abendsonne vergoldet“ werde. Über die Stadt selbst schrieb Jacob: „Ich glaube, es sind mehr Treppen auf den Straßen als in den Häusern.“ So stiegen sie in ihrer Studienzeit zwischen 1802 und 1806 häufig die Stufen von ihrem Wohnhaus in der Barfüßerstraße 35 zu ihrem Professor in der Ritterstraße empor.

Marburg erinnert an die Brüder Grimm mit Führungen zu Schauplätzen von Otto Ubbelohdes Grimms-Märchen-Illustrationen, dem „Grimm-Dich-Pfad“ sowie wechselnden Ausstellungen.

Kassel

„In Kassel brachten sie es zur Stellung von Bibliothekaren an der Hessischen Landesbibliothek...“ (Hermann Grimm)

Zwischen 1798 und 1841 verbrachten die Brüder Grimm gut dreißig Jahre in Kassel. Hier arbeiteten sie als Bibliothekare, hier sammelten, dokumentierten und überarbeiteten sie rund 200 Märchen und noch mehr Sagen.

Die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen sind als UNESCO-Weltdokumentenerbe eingetragen und im Ausstellungshaus GRIMMWELT zu bewundern. Die Hauptstadt der Deutschen Märchenstraße hat allerlei zu bieten. So z.B. die Führung „Auf den Spuren der Brüder Grimm“, das Brüder Grimm-Festival mit Märchenmusical und den Märchenweihnachtsmarkt, der jedes Jahr einem anderen Grimm’schen Märchen gewidmet ist.

GrimmHeimat NordHessen

In Deutschlands Mitte, rund um Kassel, liegt die GrimmHeimat NordHessen.

Während ihrer langen und fruchtbaren Zeit in Kassel reisten Jacob, Wilhelm und auch Ludwig Emil Grimm mit Vergnügen durch das heutige Nordhessen. Viele Tagebucheinträge und Briefe zeigen, wie sehr sie ihrer Heimat verbunden waren und wie gern sie hier lebten.

Kein Wunder, denn die Städtchen und Landschaften in Nordhessen scheinen mit den Grimm’schen Märchen verwoben – vom Schneewittchendorf bis zum Frau Holle-Teich und vom Rapunzelturm bis zum Rotkäppchenland.

Göttingen

Jacob und Wilhelm Grimm trugen als Bibliothekare, Professoren und als zwei der ‚Göttinger Sieben’ dauerhaft zum Profil Göttingens als ‚Wissenschaftsstadt’ bei.

Dies lässt sich in der altehrwürdigen Georg-August-Universität erahnen und bei thematischen Stadtführungen konkret erfahren.

Berlin

„Dann die letzten Jahrzehnte in Berlin.“ (Hermann Grimm)

Nach einem dreijährigen Intermezzo in Kassel als Exilanten und ohne Anstellung berief der neue preußische König Friedrich Wilhelm die Brüder 1840 als Mitglieder der "Akademie der Wissenschaften" mit einem Sondergehalt nach Berlin.

Dort kann man heute auf dem alten St. Matthäus Kirchhof ihre Gräber besuchen.