05.10.2017

Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau für Barbara Zoeke

News

- Öffentliche Preisverleihung am Freitag, 17. November, im Kulturforum

Mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau 2017 wird Barbara Zoeke für ihren Roman "Die Stunde der Spezialisten" ausgezeichnet. Die Jury mit Literaturkritikerin Dr. Insa Wilke, Literaturprofessor Professor Dr. Heiner Boehncke und dem ehemaligen Vorsitzenden des hessischen Bibliotheksverbandes Aloys Lenz MdL a.D. votierte nach eingehender Diskussion der eingereichten Veröffentlichungen einstimmig für das kürzlich im Verlag „Die Andere Bibliothek“ erschienene Buch. Der Magistrat der Stadt Hanau schloss sich einmütig dem Votum der Jury an.

Dr. Barbara Zoeke verbrachte ihre Kindheit im thüringischen Vogtland und studierte in Köln und Münster. Sie ist habilitierte Psychologin, forschte in den USA und war über mehrere Jahre im Vorstand der "International Society of Comparative Psychology". Sie lehrte und forschte an den Universitäten von Münster, Frankfurt, Würzburg und München. Neben wissenschaftlichen Arbeiten zur Wahrnehmung und zum Gedächtnis veröffentlichte sie erzählende Prosa, Lyrik und Sachbuchtexte. Die Autorin lebt seit 2008 in Berlin.

Aus der Jury-Entscheidung:

„Barbara Zoekes Roman „Die Stunde der Spezialisten“ widmet sich einem in der deutschsprachigen Literatur immer noch auffällig selten erzählten Verbrechen der Nationalsozialisten: der Ermordung von Psychiatriepatienten und Behinderten, allgemein unter dem Euphemismus „Euthanasie“ bekannt. Autorinnen wie Olga Martynova und entfernt auch Angela Steidele haben sich zuletzt mit diesem Stoff auseinandergesetzt; Barbara Zoeke ist jedoch die erste Autorin, die wohl auch aufgrund ihrer psychiatrischen Praxis die besondere Sprache der Patienten in eine literarische verwandelt und ihnen so auf besondere Weise ein Denkmal setzt. Virtuos komponiert sie auf diese Weise aus den Stimmen der Opfer wie auch der Täter in je spezifischen Sprechweisen ein beklemmendes Kunstwerk in humanistischen Traditionen, das bei seinen Leserinnen und Lesern für einen inneren Aufruhr sorgt, wie ihn nur hervorragende literarische Werke hervorzubringen imstande sind. Die Jury sieht in der meisterlichen Sprache des Romans und dem sensiblen Umgang mit den unterschiedlichen Stimmen überdies eine Nähe zu dem Werk der Brüder Grimm, das sich auf der Grenze zwischen Archiv, Sprachforschung und Erzählen bewegt.“

Oberbürgermeister Claus Kaminsky gratuliert der 18. Preisträgerin des Brüder-Grimm-Preises der Stadt Hanau sehr herzlich und lädt bereits heute alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zur öffentlichen Preisverleihung am Freitag, 17. November 2017, 20 Uhr, in die Hanauer Stadtbibliothek / Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18a, ein. Die Laudatio auf die Preisträgerin wird der Literatur-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Andreas Platthaus halten.

Der Klappentext zum Buch:

"NS-Deutschland 1940. Max Koenig ist Professor für Kunstgeschichte. Die Diagnose eines ererbten Nervenleidens, das einmal der "Schwarze Gast" hieß, reißt ihn aus seiner Karriere und fort von seiner italienischen Frau und der kleinen Tochter. Emphatisch und erschütternd klar: Barbara Zoeke gibt den Opfern und Tätern eines der verdrängten Verbrechen der Nationalsozialisten eine literarische Stimme - eine "Litanei auf die Farbe Schwarz". Es ist die Stunde der Spezialisten, wenn der größte Feind der Wahrheit nicht die Lüge ist, sondern die Überzeugung."

Bild: Portraitbild von Dr. Barbara Zoeke, die mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau 2017 ausgezeichnet wurde. (Copyright Annette Koroll )