Wählige Rott
Das Wählige Rott
Es war im Jahre 1625, mitten im Dreißigjährigen Krieg, da stand der kaiserliche Feldherr Tilly vor Nienburg, einem Städtchen mit damals knapp 3000 Einwohnern. In der Weserstadt waren 3000 dänische Soldaten stationiert, die die protestantische Sache unterstützen sollten. Aber gegen die vielfache Übermacht des berühmten Feldherrn schien die schwach befestigte Stadt keine Chance zu haben. Doch es sollte anders kommen: Der Versuch Tillys, die Stadt zur Kapitulation zu zwingen wurde zunichte gemacht. Der Grund war der militärisch erfolgreiche Hans Michael Elias von Obentraut, der auch als „Deutscher Michel“ bekannt wurde. Er stand im Dienst des dänischen Königs und trat 1625 dem Feldherrn Tilly gegenüber. Er und seine tollkühne Kavallerie warfen die bereits übergesetzten Truppen Tillys zurück, zerstörten die Brücke und zwangen Tilly zum Abzug von der belagerten Stadt. Eine Niederlage, die der erfolgsverwöhnte Tilly nicht gewohnt war. Noch dazu musste er während der Belagerung eine weitere Schmach erleiden: Eine Gruppe von Nienburger Bürgern, genannt „Dat Wählige Rott“, die während des Dreißigjährigen Krieges aktiv war, erbeutete in der Nacht eine Fahne und ein Zelt des Feldherren Tilly. Der Begriff „Dat Wählige Rott“ bedeutet „die auserwählte Rotte“. Rotte ist ein zu der Zeit üblicher militärischer Begriff für Schar oder Gruppe gewesen.
Die Gruppe „Dat Wählige Rott“ ging damit in die Geschichte Nienburgs ein und wird seit jener Zeit zum alljährlichen Nienburger Scheibenschießen wieder lebendig. Bei diesem Nienburger Volksfest ziehen die männlichen Bürger mit Zylinder, schwarzem Anzug, weißen Handschuhen, Holzgewehr, geschmückt mit roten Rosen aus der Stadt zum Schützenplatz und ermitteln den Scheibenkönig. Ein Höhepunkt während des Scheibenschießens ist das große Pellkartoffelessenstatt. Dann steht in Nienburgs Altstadt eine lange Pellkartoffel-Tafel mit „richtigem“ Porzellan und feinen Tischdecken gedeckt. Serviert werden ab 18 Uhr von heimischen Wirten etwa 700 kg Pellkartoffeln und mehr als 7.000 Matjesfilets. Leckere Speckstippe und Sahnesoßen fehlen natürlich nicht. Erfrischende Getränke und Musik auf Bühnen runden das Spektakel ab.
Quelle: Mittelweser-Touristik (www.nienburg.de, www.dat-waehlige-rott.de)
Von der Sage zur Stadt: Entdecken Sie Nienburg (Weser)
Die Legende vom Wähligen Rott gehört zu den bekanntesten Überlieferungen Nienburgs und erzählt von Mut, Zusammenhalt und dem Freiheitswillen der Bürger. Bis heute ist die Geschichte ein wichtiger Bestandteil der Stadtgeschichte und erinnert an die bewegte Vergangenheit der historischen Weserstadt.
Wer Nienburg (Weser) besucht, kann den Spuren dieser Legende durch die liebevoll restaurierte Altstadt folgen. Historische Fachwerkhäuser, prächtige Renaissancegiebel und der malerische Kirchplatz erzählen von Jahrhunderten bewegter Geschichte. Neben dem Wähligen Rott begegnen Besucher hier weiteren Sagen und Legenden, etwa der Weißen Frau oder den Grafen von Wölpe, die Nienburg zu einem spannenden Ziel für alle machen, die Geschichte und Erzähltradition entlang der Deutschen Märchenstraße entdecken möchten.




