Wir leben in einer Zeit, in der oft die Verpackung wichtiger als der Inhalt scheint: Jeder einfache Schokoriegel wird durch Werbung zum exklusiven Geschmacksevent, der Hausmeister bekommt statt einer Lohnerhöhung exklusiv den Titel Facilitymanager und die Liebe hüpft nicht mehr wie früher mit Amors zufälligem Pfeil, sondern maßgeschneidert und algorithmenbasiert über Tinder und Parship in unser Leben. Der deutsche Heinz Günter verpackt sich im Frankreichurlaub plötzlich in Ringelshirt und Baskenmütze und wundert sich, dass er trotz Baguette unter bei-den Armen nicht als Jean Pierre gesehen wird… Verpackung ist eben nicht alles Lucy van Kuhl verpackt ihre Erkenntnisse in ihrem fünften Programm auch äußerst geschickt: Aberwitzige Betrachtungen werden in sanfte Klavierklänge gehüllt, winzig kleine Randbeobachtungen mit dem großen poetischen Vergrößerungsglas versehen und die Tristesse eines Altersheims verwandelt sich durch einen Mantel aus Fantasie plötzlich in eine mitreißende Ü80-Party. Zarte Melancholie trifft auf krachenden Unfug, klassisches Klavier auf Boogie Woogie, und wenn Sie glauben, dass sowas nicht miteinander harmoniert – Lucys überbordende Fantasie ist ein starkes leuchtendes Geschenkband, mit dem sie all das spielend leicht zusammenhält und – sehr geschickt verpackt. Lucy van Kuhls Werk "Geschickt verpackt" ist eine Mischung aus politischer Gesellschaftskritik, die sowohl bissig als auch humorvoll ist, und tiefsinnigen, melancholischen Liedern. Die Kritik wird in den Texten, die oft humorvoll und bildlich sind, und in den Moderationen zwischen den Liedern verpackt, wie zum Beispiel in einer Kritik an der "Schuldenbremse" oder an Vorurteilen über verschiedene Gruppen. Nenad Uskoković, ein musikalischer Tausendsassa, begleitet Lucy auf dem Violoncello.