Hauptroute

Erleben Sie die Deutsche Märchenstraße neu - nämlich per Fahrrad!

In drei Wochen lassen sich die vielfältigen Landschaften und Städte der Deutschen Märchenstraße per Rad erfahren. Tauchen Sie zwischen Hanau und Buxtehude auf den Spuren der Brüder Grimm in die märchenhafte, deutsche Mitte ein: Tallagen mit gemütlichen Fachwerkstädte und Flussradwegen wechseln mit den Höhen der Mittelgebirge. Entdecken Sie Ziele und Landschaften, die teilweise noch weitgehend abseits der großen Touristenpfade liegen.

Die Strecke nutzt, soweit möglich bestehende Radwanderstrecken und verbindet auf ihnen die wichtigsten Stationen der Deutschen Märchenstraße. Aufgrund der Topografie bietet sich die Nutzung eines Pedelecs an. Denn im südlichen Bereich der Strecke werden zwischen Hanau und Bad Karlshafen vier Mittelgebirge erklommen.

In den Streckenbeschreibungen sind die wichtigsten Punkte mit Etappenkilometern versehen.

Auf der Fahrt bietet es sich an, neben der GPS-Spur auf dem Smartphone oder Tablett als „zweite Absicherung“ noch Radwanderkarten aus Papier mitzuführen. Hier bieten sich vor allem die ADFC-Regionalkarten im Maßstab 1:75000 an. Die Karten sind trotz größerem Maßstab noch relativ detailreich. So kommt man für die Hauptstrecke von Hanau bis Bremen mit fünf Kartenblättern aus.

1. Etappe: Hanau - Steinau an der Straße (60 km)

Durchweg einfach, gut ausgebaut, gut beschildert, familientauglich

Schwierigkeitsgrad:  leicht
Wegequalität:           ★★★☆
Beschilderung:         ★★★☆        

Die Radtour auf der Deutschen Märchenstraße startet in Hanau, der Geburtsstadt der Brüder Grimm. Die 1. Etappe verläuft auf 60 km entlang der Kinzig über das historische Gelnhausen nach Steinau an der Straße.

Die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm wurden 1785 und 1786 in Hanau geboren. Hanau ehrt seine weltberühmten Söhne auf vielfältige Weise. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus steht das Nationaldenkmal mit der sitzenden Figur Wilhelm Grimm und danebenstehend sein Bruder Jacob. Hier startet auch der neu gestaltete Radfernweg gleichen Namens.

Die erste Etappe führt durch das Kinzigtal nach Steinau an der Straße. Der beschilderte Radweg ist durchweg asphaltiert und folgt dem Hessischen Radweg R 3. Bei Erlensee kommt man direkt an den Grundmauern eines Römerkastellbads vorbei. Hierauf folgt ein Zickzack-Kurs durch die vogelreichen Kinzigauen. Wenn man Glück hat, entdeckt man Störche, die durch die Feuchtwiesen stapfen.

Gelnhausen ist die nächste bedeutsame historische Stadt auf der Route. Einst errichtete Kaiser Barbarossa hier an der Kinzig eine Pfalz. Davon ist noch die Ruine erhalten, die man besichtigen kann. Darüber hinaus sollte man sich unbedingt noch die historische Altstadt anschauen, denn diese ist durchaus sehenswert. Über Wächtersbach und Bad Soden-Saalmünster folgt der Radweg dem Ufer des Kinzigstausees bis zur Etappenstadt Steinau. Hier verbrachten die Brüder Grimm ihre Jugend, da Vater Grimm eine Stelle als Amtmann annahm. Steinau ist ein wirklich sehenswertes Städtchen mit Burg und Stadtmauer.

Unbedingt empfehlenswert ist eine Stadtführung mit der Mutter Geiß, dem Gestiefelter Kater oder der Hexe, die ihre Gäste auf den Spuren der Grimms auf einem zauberhaften und informativen Rundgang durch Steinau begleiten. Eine tolle Sache, die man nicht versäumen sollte.

Das ehemalige Amthaus (auch Wohnhaus der Familie Grimm) ist heute ein Museum. Im prächtigen Fachwerkbau von 1562 informiert das Museum „Brüder Grimm-Haus Steinau“ zum Thema.

2. Etappe: Steinau an der Straße - Alsfeld (72 km)

Erster Abschnitt bis Freiensteinau stark ansteigend und geschottert, nicht ausgeschildert, für sportliche Radler oder mit Pedelecs, danach besser;
Alternative Straße L 3178 von Steinau nach Freiensteinau, allerdings
Autoverkehr

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★☆☆
Beschilderung:           ★★☆☆

Von Steinau aus geht es mit den Rädern hoch in die Region Vogelsberg. Zunächst führt die Route über befahrene Straßen, dann über Waldwege, die teils geschottert sind, und zwar immer bergauf. Vor Ulmbach verläuft sie dann über Wirtschaftswege und Landstraßen entlang dem Steinautal bis Freiensteinau, wo die Radroute als „Seentour“ ausgeschildert ist und zum Vulkanradweg führt. Auf dem Vulkanradweg -eine ehemalige Bahnstrecke- radelt es sich dann ganz wunderbar auf glattem Asphalt immer bergab nach Lauterbach. In der Nähe von Grebenhain weist ein Schild auf die Teufelsmühle hin, die man in der Nähe von außen besichtigen kann. Es handelt sich bei der Mühle um einen prachtvollen Fachwerksbau. Weiter dem Vulkanradweg folgend, hat man einen herrlichen Blick auf Herbstein.

Ein Abstecher zum Ortskern lohnt sich, da es am Markt ein interessantes Fachwerk-Rathaus zu besichtigen gibt. Auch kann man noch über Reste der mittelalterlichen Stadtmauer spazieren.

Hinter Herbstein zeigt sich das Schloss Eisenbach. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Lauterbach, einem netten Fachwerkstädtchen.

Von Lauterbach wechselt man vom Vulkanradweg auf den Hessischen Radfernweg R 2, der gut ausgebaut den Radler hügelig durchs schöne Schwalmtal nach Alsfeld begleitet. In dieser Gegend trifft man auf Rotkäppchen und den bösen Wolf. Die prächtige Kulisse der Alsfelder Altstadt glänzt vor allem mit dem mittelalterlichen Rathaus am Markt, eingerahmt von dem historischen Weinhaus, dem Bückingshaus und dem Strumpfhaus. Der Turm der Walpurgiskirche überragt das Rathaus und bildet einen standesgemäßen Hintergrund. Vom Markt gehen sechs Gassen in alle Richtungen ab, allesamt gesäumt von gut erhaltenen charaktervollen Fachwerkhäusern.

Im Alsfelder Märchenhaus findet sich eine Ausstellung zu den Grimmschen Märchen. Ferner gibt es eine große Puppensammlung und bzw. Puppenstuben-Sammlung zu sehen.

3. Etappe: Alsfeld – Marburg (69 km)

Flach und hügelig, überwiegend asphaltiert, Ausschilderung gut, abschnittsweise, leicht sportlich

        Schwierigkeitsgrad:    eher leicht
        Wegequalität:        ★★★☆
        Beschilderung:    ★★★☆    

Gut beschildert lenkt der Hessische Radfernweg R 2 aus Alsfeld heraus. Über ruhige Landstraßen, vorbei am Antriftstausee, geht’s dann über hügeliges Land hoch nach Willingshausen, einer bedeutenden Künstlerkolonie, die vom jüngeren Bruder der Märchengrimms mitbegründet wurde. Er machte sich als Maler überregional einen Namen. In der Kunsthalle und dem Museum „Malerstübchen“ erfährt man mehr über das Leben und Wirken der zahlreichen Künstler, die in Willingshausen gewohnt und gearbeitet haben.

Über schmale Landstraße rollt man zur nächsten Station Neustadt. Im Zentrum des Ortes steht ein besonderer Turm, genannt Junker-Hansen-Turm. Er gilt als einziger noch erhaltener Fachwerk-Rundturm weltweit.
       

Nach einer längeren Waldpassage führt der Radweg über Stadtallendorf in ein weites Becken. Mittendrin ein aufragender Vulkankegel. Auf der Spitze erkennt man schon aus der Ferne das Städtchen Amöneburg. Dieses Bild hat man lange vor Augen, denn der Weg steuert direkt darauf zu. Der jetzige Radweg heißt Radwanderweg 11 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Unterhalb der Amöneburg wird auf den Radweg „Lange Hessen“ gewechselt. Ganz in der Nähe -an der Brucker Mühle fand während des „Siebenjährigen Krieges“ eine der verlustreichsten Schlachten zwischen Frankreich und Preußen statt.

In Ebsdorf beginnt auf der Trasse der ehemaligen Marburger Kreisbahn eine schöne Abfahrt auf glatter Piste durch ein herrliches Seitental. In Cappel trifft diese auf den Lahnradweg. Voraus hat man nun das Marburger Schloss im Blick. Nach wenigen Kilometern ist die Marburger Oberstadt erreicht. Unweit vom Rathaus, an der Barfüßlerstraße 35, steht das Haus, in dem die Brüder Grimm während eines Teils ihrer Studienzeit von 1802 an wohnten. Später zogen sie dann in das heutige Haus Wendelgasse 4. In den alten Fachwerkhäusern der Barfüßlerstraße befinden sich zahlreiche urige Studentenkneipen und Restaurants, die in der Oberstadt für ein buntes Treiben sorgen. Weitere Berührungspunkte mit der Grimm’schen Vergangenheit in Marburg stellt der Grimm-Dich-Pfad dar.

Hier finden sich Märchenfiguren und andere Attraktionen, vom Alten Botanischen Garten bis zum Landgrafenschloss. Zur großen Popularität der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen trugen auch die Illustrationen des Marburger Malers Otto Ubbelohde bei, der diese erstmals 1907 veröffentlichte. Dabei dienten dem Maler und Zeichner Gebäude und Landschaften seiner näheren Umgebung als Motivvorlage für die Märchenzeichnungen.

Gute Übernachtungsmöglichkeiten für Radler bietet der Marburger Hof, der als Bett- und Bike-Hotel auch Unterstellmöglichkeiten für die Räder bereithält. Wer technische Probleme mit seinem Rad hat, findet gleich um die Ecke des Hotels auf dem Hof der Post eine kompetente Fachwerkstatt.

4. Etappe: Marburg – Frankenberg (58 km)

Zunächst lange Zeit flach, gut ausgebaut und familientauglich. Am Ende des Wetschaftstals bergig. Gute Ausschilderung. 

Schwierigkeitsgrad:      eher anspruchsvoll
Wegequalität:              ★★★☆
Beschilderung: ★★★☆    

Nördlich von Marburg stößt man auf dem gut ausgebauten Lahn-Radweg über Cölbe zur Gemeinde Lahntal. Hier lebte im Ortsteil Gößfelden der Maler Otto Ubbelohde, der hunderte von Illustrationen zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm anfertigte. Für seine Zeichnungen holte er sich oft Anregungen aus der Umgebung. Durch Gößfelden verläuft ein ca. 1,5 Kilometer langer Rundweg, der Inspirations- und Zeichenorte Ubbelohdes miteinander verbindet. 16 Hinweistafeln erläutern am Weg das Leben und Wirken des Künstlers.

In Gößfelden lebte auch der Pfarrer und Pädagoge Johann Heinrich Christian Bang, der eine enge Freundschaft zu Professor Friedrich Carl von Savigny pflegte. Dieser stellte den Kontakt zu den Brüdern Grimm her. So wurden die von Bang gesammelten Sagen aus dem Marburger Raum den Grimm Brüdern zugänglich gemacht.

Im Ortsteil Brungershausen haben der Sage nach Wichtelmänner in grauer Vorzeit mächtige Felsbrocken aufgetürmt. Damit kennzeichneten sie die Stelle ihrer Schätze. Über einen Abstecher und Wanderweg kann man die Felsgruppe erkunden. Ebenso findet man in Bungershausen noch Schanzen aus dem Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Frankreich.

Wer will kann von den Wichtelhäuser Steinen direkt nach Wetter radeln, allerdings ist die Strecke anfangs bergig. Wer es bequemer haben möchte, fährt den Lahnradweg zurück und wechselt in Gößfelden auf den Lahn-Eder-Radweg.

In Wetter findet man rund um den historischen Marktplatz ein vielfältiges Ensemble an Fachwerksgebäuden mit der herausragenden Stiftskirche aus dem 13. Jahrhundert. Der Diebesturm diente als Vorbild für die Ubbelohdes Zeichnung zum Märchen „Der alte Jäger“.

Parallel zur Burgwaldbahn folgt der weitere Weg der Route des Lahn-Eder-Radwegs, welcher durch das wunderschöne Tal der Wetschaft führt. Von Münchhausen aus findet man ganz in der Nähe den Christenberg im Burgwald. Hierzu muss man auf 4 Kilometern ca. 150 Höhenmeter überwinden. Belohnt wird man oben mit einer phänomenalen Aussicht. Otto Ubbelohe hat sich an diesem Ort für seine Zeichnungen zu den Märchen

„Aschenputtel“ und „Hänsel und Gretel“ inspirieren lassen.

Beschauliche Bauerndörfer liegen unten an der Strecke. Von besonderem kulturhistorischem Interesse sind die Hugenotten- und Waldenserorte Todenhausen und Wiesenfeld. Gartenliebhaber sollten sich an der Kirche in Wiesenfeld den schön angelegten Kräutergarten ansehen.

Allmählich steigt die Radroute an und erreicht in der Höhe die Wasserscheide zwischen Lahn und Eder bzw. zwischen Rhein und Weser.

Von hier aus geht es ab ins Edertal zu der ehemaligen Kreisstadt Frankenberg, ein sehenswerter Ort mit historischer Altstadt, gotischer Liebfrauenkirche und dem prunkvollen zehntürmigen Rathaus mit wunderbarem Glockenspiel. Von der ehemaligen Burg am Hexenturm hat man einen sehr guten Überblick über die Stadt.

Nach getaner „Radarbeit“ lohnt es durch den Fachwerkort zu schlendern und sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Für Möbel- und Designfans ist der Besuch des Thonet-Museums ein Muss. Das interessant gestaltete Museum veranschaulicht die Geschichte der Firma anhand der von ihr hergestellten Möbel. Dabei wird ein Fokus auf die von Thonet entwickelten Fertigungsverfahren gerichtet. Bekanntestes Sitzmöbel ist der „Wiener Kaffeehausstuhl“, der zum Klassiker wurde. Wegen der besonderen Buchenholzbestände des nahen Kellerwaldes hat Thonet im Jahre 1889 die Firma nach Frankenberg verlegt.

Das historische Frankenberger Rathaus aus dem Jahre 1509 ist besonders imposant. Das Gebäude, welches zu den schönsten Rathäusern Deutschlands zählt, beherrscht mit seinen zehn Türmen das Bild zwischen Ober- und Untermarkt. Philipp Soldan, Bildhauer aus dem Mittelalter, hat der Stadt und insbesondere dem Rathaus mit seinen Huckepackfiguren seinen Stempel aufgedrückt. Deshalb darf sich Frankenberg auch Philipp-Soldan-Stadt nennen. Auf dem Weg Richtung Burgberg kommt man an der Liebfrauenkirche vorbei, eine der ältesten gotischen Kirchen Deutschlands. Seitlich angebaut, eine außergewöhnliche Kapelle. Vom Burgberg, wo früher die Festung der Franken stand -die der Stadt ihren Namen gab- offenbart sich ein herrlicher Rundblick über die Stadt. Wieder am Rathaus zurück, geht es eine steinerne Wendeltreppe hoch zum Ratssaal und Hochzeitszimmer hinauf. Seit 500 Jahren hat sich hier kaum was verändert. Die jahrhundertealte Konstruktion der Eichenbalken ist immer noch tadellos intakt.

5. Etappe: Frankenberg (Eder) – Bad Wildungen (41 km)

Zunächst allmählich ansteigend, dann hinab ins Wohratal. Ab Halgehause langer Anstieg über Haina bis auf 510 Höhenmeter. Kurz vor Hüttenrode Abfahrt nach Bergfreiheit; erneuter Anstieg. Ab Lennkopf überwiegend bergab oder eben. Oberfläche durchaus geteert über Straßen, Nebenstraßen und Wege; teils ohne Radwegbeschilderung

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★★☆
Beschilderung:            ★★☆☆    

Frankenberg wird auf dem ausgeschilderten Ohm-Eder-Radweg nach Osten verlassen. Die Strecke verläuft hügelig Richtung Kellerwald. In Haubern kann man einen Abstecher zur KellerwaldUhr machen. Diese Informationseinrichtung zeigt in Ausstellungen die kulturgeschichtliche Entwicklung zwischen Mensch und Buche von der Eiszeit bis heute.

Der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörende Park ist bekannt für seinen knorrigen und uralten Rotbuchenwald. Mehr als fünfzig bewaldete Hügel und Berge prägen die einzigartige Mittelgebirgslandschaft. Etwa 1000 Quellen und naturnahe Bäche entspringen im Nationalpark. Dort wo reinstes, kühles Wasser aus der Dunkelheit zu Tage tritt, tummeln sich Grundwasserflohkrebs, Alpenstrudelwurm und Quellschnecke. Besondere Pflanzenarten wie Pfingstnelken, Seidelbast oder Großblütiger Fingerhut bilden eine natürliche Lebensgemeinschaft mit oft selten gewordenen Tierarten, wie Rotmilan, Uhu, Wildkatze und Schwarzstorch. Wer will, kann sich auf eine lehrreiche Rundtour mit einem Ranger durch den Park begeben.

Zurück auf der Hauptroute geht es ab Halgehausen ohne Radwegweisung über Kreisstraßen nach Haina. Die Lage des Klosterortes ist idyllisch am Rand des Kellerwaldes. Hier bestehen auch Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten. Die sehenswerte ehemalige Klosteranlage gehört mit seinem Gebäudeensemble zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Klöstern in Deutschland.

Seit der Reformation wird die Anlage als Krankenhaus genutzt. Der Bereich der Klosterkirche kann gegen Eintritt besichtigt werden. Hier gibt es einen 5 km langen Rundwanderweg um das ehemalige Klosterareal, der den Stamfordschen Landschaftsgarten vorstellt.

Ruhige Landstraßen bestimmen die Tour durch den südlichen Naturpark Kellerwald-Edersee bis Bergfreiheit. Dieser Streckenabschnitt ohne Radwegweisung liegt komplett abseits der großen Touristenpfade. Es geht als Erstes stetig ansteigend in die Wälder des Kellerwaldes bis auf etwa 510 m Höhe. Hier gibt der Wald den Blick frei in Richtung Nordosten. Hiernach folgt eine längere Abfahrt über Hüttenrode nach Armsfeld

Über Fischbach wird das Schneewittchendorf Bergfreiheit erreicht. In Bergfreiheit ist das Märchen „Schneewittchen“ verankert. Unten, an der Straße machen bereits die Figuren der 7 Zwerge den Vorbeifahrenden auf das Märchen aufmerksam. Weiter oben im Dorf lädt das liebevoll hergerichtete Schneewittchenhaus den Besucher zum Verweilen ein. Eine andere Sehenswürdigkeit ist das Besucherbergwerk unterhalb des Dorfes.

Ab Bergfreiheit geht es dem Hessischen Radfernweg R 5 folgend über die Höhen Richtung Bad Wildungen. Teilweise ist die Strecke des R 5 geschottert (bergige Strecke mit Schotter im Gefälle). In der Abfahrt zum Zentrum der Kurstadt Bad Wildungen lohnt ein kurzer Zwischenstopp am Dr.-Marc-Turm.

Bad Wildungen hat auch eine nette Fachwerkaltstadt. Europas größter Kurpark verlockt zum Spaziergang. Hoch über dem Tal thront Schloss Friedrichsstein. Wer märchenhafte Andenken liebt, dem sei der „Märchenladen“ in der Brunnenallee 18 empfohlen.

6. Etappe: Bad Wildungen – Wolfhagen (54 km)

Erst flach entlang dem R 5 bis zum Eder-Stausee, über die Staumauer, dann hoch nach Waldeck, weiter ein Stück Edersee-Bahntrasse, danach bergig, asphaltierte Wege aber auch längere Schotterpisten; teilweise regionale Wegweisung

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★☆☆
Beschilderung:            ★★☆☆   

Von Bad Wildungen radelt man über den R 5 folgende zum Ortteil Wega. Hier stößt die Tour auf den Ederradweg, dem bis zum Edersee gefolgt wird. Vor der sehenswerten Sperrmauer wird der R 5 verlassen und über die Mauer zur anderen Uferseite des Edersees gewechselt.

Entlang der Uferstraße auf dem kombinierten Rad- und Fußweg erreicht man bald Waldeck-West. Ab hier beginnt eine kraftanstrengende Auffahrt zum Schloss Waldeck über eine stark ansteigende Straße. Hat man den „Aufstieg“ geschafft, kann man von der tagsüber frei zugänglichen Schlossterrasse phantastisch über den Edersee blicken.

Über Waldeck geht es anschließend rasant hinunter zum ehemaligen Bahnhof Waldeck. Hier erfolgt die Auffahrt auf den Ederseebahn-Radweg, der wunderbar ausgebaut den Radler anstrengungsfrei über das imposante Selbacher Viadukt bringt, welches das Reiherbachtal überbrückt. Westlich des Viadukts wird der Bahnradweg Richtung Selbach verlassen.

Ab dem Dorf Selbach verläuft die Route abseits der Touristenpfade ohne Radwegweisung auf einer rund 5 km langen Schotterstrecke. Über den Höhenzug des „Alten Waldes“ kommt man zur Fachwerkperle Naumburg. Achtung, je nach Witterung weist der Bodenbelag im Alten Wald evtl. gröbere, bzw. feuchte Schotterstücke auf.

In Naumburg besticht der Markplatz mit seinen Fachwerkbauten aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1985 ist Naumburg auch Kneippheilbad. Eine besondere Sehenswürdigkeit gibt es am Rande des Habichtswaldes mit der Hummelwerkstatt. Dieses einmalige Projekt in Kooperation mit der Uni Kassel, bietet im Sommerhalbjahr eine Beobachtungsstation im Rotlichtraum. So kann man die fleißigen Insekten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Nördlich der Kernstadt liegt etwas abseits der Route der Rastplatz „Warte“ mit Schutzhütte, Himmelsschaukel (auch für Erwachsene geeignet) und einem alten Wartturm, der über eine Leiter zugänglich ist.

Ab Naumburg radelt man hügelig auf dem hessischen Radfernweg R 4 bis Wolfhagen. Der Belag ist nicht immer asphaltiert. Es gibt auch geschotterte Abschnitte.

In Ippinghausen kann vom R 4 ab der Bundesstraße ein Abstecher auf die Weidelsburg eingelegt werden. Die imposante Burgruine ist nur über steile Schotterwege erreichbar. Besser ist es allerdings das Fahrrad in Ippinghausen abzustellen und den Abstecher auf die Burg zu Fuß zu unternehmen. Oben wartet ein weiter Panoramarundblick auf die Vulkankegellandschaft des Naturpark Habichtswaldes.

Über noch einmal zum Teil holprige, je nach Witterung feuchte Schotterwege, erfolgt die Abfahrt nach Wolfhagen. Diese Etappenstadt besitzt auch eine hübsche

Fachwerkaltstadt. Am zentral gelegenen Marktplatz gibt es einen Brunnen, der dem Stadtmärchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ gewidmet ist. Wer mehr über den Ort und die Umgebung erfahren will, den informiert das Regionalmuseum.

7. Etappe: Wolfhagen nach Kassel (49 km)

Überwiegend bergig, lokale Wegweisung, auch längere geschotterte Abschnitte, sportlich herausfordernd

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★☆☆
Beschilderung:           ★★★☆ 

Aus Wolfhagen heraus folgt man der lokalen Radwegweisung über Istha und Balhorn nach Bad Emstal-Sand und weiter nach Schauenburg-Breitenbach. Dort kommt man an der „Märchenwache“ vorbei, einer umgewidmeten ehemaligen Feuerwache.

Der wieder asphaltierte Radweg folgt nun dem Verlauf des „Hessencourier-Radwegs mit dem Logo der „Grünen Lokomotive“ bis Großenritte. Anschließend folgt man dem Weg über den Stadtpark und Stadtmitte von Bauna am VW-Werk vorbei, wo das Gelände der Knallhütte gestreift wird. Hier wurde Dorothea Viehmann geboren, die den Brüdern Grimm mehr als 40 Volksmärchen erzählte, 36 davon nahmen sie in ihre Märchensammlung auf.

In Niederzwehren gibt es ein Märchenviertel mit hübschen Fachwerkhäuschen. In diesem Quartier lebte Viehmann von 1787 bis 1815. Auf dem Märchenplatz an der Mattäuskirche steht eine Büste der Märchenerzählerin und ein freistehendes gemauertes Tor mit dem Schriftzug: „Es war einmal“.

Ein Rundgang entlang des Grunelbachs ist eine empfehlenswerte Abwechslung, bevor man sich wieder durch die Südstadt zur „Grimmwelt“ aufmacht.

Malerisch auf dem Weinberg gelegen befindet sich das modern gestaltete Museum in gelbem Sandstein auf einem exponierten Grundstück der ehemaligen Henschel-Villa. Das stufige Dach ist begehbar und als Verweil- und Aussichtsterrasse sehr beliebt. Im Inneren informiert das Museum über das Schaffen und Wirken der Brüder Grimm. Kassel war für diese eine prägende Lebensstation, denn sie haben hier fast 30 Jahre als Sprach- und Literaturwissenschaftler gewirkt und 1812 den ersten Band ihrer Kinder- und Hausmärchen herausgegeben.

Kassel ist eine sehr grüne Stadt. Im Krieg leider ziemlich zerstört, gibt es dennoch schöne alte Häuserzeilen aus der Gründerzeit und nette Stadtviertel. In den Auen der Fulda präsentiert sich die prächtige Orangerie. An vielen Stellen der Stadt zeugen Kunstwerke von ihrer Bedeutung als Documenta-Stadt. Auf der Wilhelmshöhe mit der Herkulesstatue hat man eine phantastische Aussicht über den Bergpark und der Stadt. Im Sommer bieten die Wasserspiele über den Kaskaden ein imposantes Schauspiel, welches viele Besucher aus nah und fern anzieht. Unterhalb der Kaskaden befindet sich das klassizistische Schloss.

8. Etappe: Kassel - Hofgeismar (60 km)

Erst gemütliche 30 Kilometer entlang der Fulda, ab Hann. Münden Steigungen durch längere Waldpassagen, dann bergig, Wegweisung in der 2. Hälfte regional, auch kurze geschotterte Abschnitte, 2. Hälfte sportlich.

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★☆☆
Beschilderung:           ★★★☆

Das enge kurvenreiche Fuldatal mit den waldreichen Hängen begleitet den Radler knapp 30 Kilometer von Kassel nach Hann. Münden. Der Radweg folgt direkt dem linken Flussufer parallel zur Straße und ist gut befahrbar.

Hann. Münden geht auf eine karolingische Siedlung zurück. Im frühen 12. Jahrhundert gründeten die Landgrafen von Thüringen eine Stadt im Mündungsdreieck zwischen Werra und Fulda, wo der neue Fluss Weser geboren wird. Genau dort, wo beide Flüsse zusammenfließen steht der Weserstein mit dem Vers von Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahre 1899: „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büßen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weserfluss.“

Nach der entspannten Radroute entlang der Fulda beginnt nun ein anstrengender Aufstieg hinauf durch den Reinhardswald. Der Weg ist überwiegend asphaltiert, allerdings gibt es auf der Höhe auch naturbelasse Waldwege. Im Wald vor Immenhausen trifft man auf den Märchenland-Radweg, der durch das Symbol der Königskrone ausgeschildert ist. Auf dem Weg liegen Immenhausen und Grebenstein, auch eine Fachwerkstadt mit Resten der Stadtmauer. Hofgeismar ist bald in Sicht. Der Marktplatz in der Altstadt mit Fachwerkhäusern umgeben. Die „Sage vom Würfelturm“ wird in Hofgeismar verortet.

9. Etappe: Hofgeismar – Bad Karlshafen (43 km)

Erst Anstieg, dann hügelig mit Abfahrt zum Diemeltal, danach Bahntrasse nach Bad Carlshafen, Wegweisung regional, längere geschotterte Abschnitte, erster Teil sportlich.

Schwierigkeitsgrad:    anspruchsvoll
Wegequalität:             ★★☆☆
Beschilderung:           ★★★☆

Zunächst dem Hessischen R 4 folgend geht es über Hombressen und Carlsdorf hoch in den Naturpark Reinhardswald. Hier findet man urwüchsige Baumriesen wie beispielsweise die ehrwürdige Kamineiche. Leider ist das Radfahren im Naturschutzgebiet nicht gestattet. So ist unser nächstes Ziel die Sababurg, wo einst Dornröschen ihren märchenhaften Schlaf hielt. Nicht weit entfernt breitet sich der Tierpark Sababurg aus, welcher besonders für einen Familienausflug reizvoll ist.

Nun folgt der Track einer längeren Waldpassage zur Trendelburg, wo Rapunzel vom hohen und mächtigen Burgturm ihr Haar herabgelassen hat. Ab Trendelburg führt ein

Bahntrassenweg entlang der Diemel, der unterschiedliche Beläge aufweist und sich noch im Ausbau befindet. Ein Teil dieses Hessischen Radwegs R4 ist bereits glatt asphaltiert.

Highlight ist der Carlsbahntunnel, der allerdings im Winter wegen der Fledermäuse geschlossen ist und aus Umweltschutz Gründen ein Stück weit nur über eine steile und gefährliche Rampe am Südportal zu erreichen ist, da man ein Stück der Trasse nicht als Radweg ausgebaut hat. Das Wasserschloss in Wülmersen ist ohne Wasser, denn die Gräben sind verschwunden.

Über die bereits fertiggestellte Asphaltdecke rollen die Räder ganz ausgezeichnet zur barocken Kurstadt Bad Karlshafen. Wer Zeit hat, sollte sich den Hugenottenturm mit Ausblick auf Karlshafen besuchen. Übrigens bietet die Stadt unter anderem im Deutschen Hugenotten-Museum interessante Dokumentationen über die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten, die seinerzeit in Karlhafen eine neue Heimat fanden.

10. Etappe: Bad Karlshafen – Holzminden (38 km)

4-Sterne-Weserradweg, sehr gut ausgebaut, sehr gute Beschilderung, familientauglich.

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Diese Etappe folgt dem gut ausgebauten und ausreichend beschilderten Weser-Radweg, der rechtsseitig am Fluss nach Würgassen führt. Von dieser Seite hat man einen schönen Blick auf die Abtei und die Burg Herstelle. Vor dem ehemaligen Kernkraftwerk wechselt die Route über eine Brücke zur anderen Uferseite. Ab hier radelt es sich gemächlich auf separatem Radweg. Nächster Ort ist Beverungen, wo die Bever in die Weser mündet. Auch hier gibt es eine Burg, von der aber nur noch der hohe viereckige Turm mit dem südlichen Anbau erhalten ist. Ein paar Kilometer flussab liegt Fürstenberg. Wer die bekannte Porzellanmanufaktur mit Museum im Schloss besuchen will, sollte sich vorher mit der Fähre in Wehrden übersetzen lassen.

Nach einer halben Stunde ist Höxter in Sicht, ein Ort mit sehenswerten Fachwerkhäusern und Resten der einstigen Stadtmauer. Etwas außerhalb liegt das Kloster Corvey, eins der fünf Weltkulturerbe-Stätten der UNESCO in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere das karolingische Westwerk an der Klosterkirche hat wesentlich zur Verleihung des Titels im Jahre 2014 beigetragen. Dicht an der Weser windet sich nun der Weser-Radweg nach Holzminden. Um in die Stadt zu gelangen muss man wieder die Weser queren. Neben der romanischen Lutherkirche zählen auch hübsche Fachwerkhäuser zu den Hinguckern. Einzigartig sind die 18 Duftstelen in der Innenstadt, die man „immer der Nase nach“ erkunden kann. Zu den Düften und Aromen gibt es noch interessante Infos dazu. Daher nennt man auch Holzminden die „Stadt der Düfte“, denn einer der weltgrößten Hersteller von Duftstoffen hat hier seinen Sitz.

Am Marktplatz mit Sitz der Touristinformation bestehen Einkehrmöglichkeiten.

11. Etappe: Holzminden – Hameln (56 km)

4-Sterne-Weserradweg, sehr gut ausgebaut, sehr gute Beschilderung, familientauglich

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Die Märchenstraßen-Radroute folgt weiter dem Weser-Radweg auf dem man bequem über glatten Asphalt dahin rollen kann. Polle ist der Ort, wo das Aschenputtel zuhause ist. Eine Gierseilfähre bringt den interessierten Radler rasch auf die andere Seite zur Burgruine, wo im Sommer an jedem dritten Sonntag das Märchen Aschenputtel aufgeführt wird. Von der Ruine hat man auch einen herrlichen Blick auf die Weser mit der Fähre.

Nächste Station ist die Münchhausen-Stadt Bodenwerder. Hier lebte der Freiherr von Münchhausen, der im Kreise seiner Freunde seine phantastischen Lügengeschichten erzählte. Rudolf Erich Raspe schrieb sie auf und veröffentlichte diese in England, wo sie sich schnell verbreiteten. Der Göttinger Dichter Gottfried August Bürger übersetzte diese wieder zurück ins Deutsche und fügte weitere hinzu, sodass diese auch in Deutschland schnell bekannt wurden. Zu Ehren ihres berühmten Sohnes errichtete man im Ort ein Museum und an verschiedenen Stellen mehrere Denkmäler.

Weiter entlang des leicht zu fahrenden Weser-Radwegs hat man bei Hehlen einen schönen Blick auf das Wasserschloss auf der anderen Flussseite.

Am Weg grüßt eine Holländer-Windmühle, in Tündern den Radwanderer. Nach einer guten Stunde ist Hameln in Sicht. Hier trieb einst der berühmte Rattenfänger sein Unwesen. In der hübschen Stadt laden einige historische Gebäude zur Besichtigung ein. Hier seien insbesondere das Rattenfängerhaus, das Dempterhaus und das Hochzeitshaus genannt.

12. Etappe: Hameln – Bad Oeynhausen (58 km)

4-Sterne-Weserradweg, sehr gut ausgebaut, sehr gute Beschilderung, familientauglich

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Entlang des gut ausgebauten Weser-Radwegs folgt man der Route anstrengungsfrei von Hameln bis Rinteln. Dieses hübsche Städtchen an der Weser ist besonders sehenswert. Zahlreiche Häuser weisen Stilelemente der Weserrenaissance auf. Eine gute Stunde von Rinteln entfernt, bietet sich ein Abstecher nach Vlotho an, denn auch hier kann man eine kleine aber nette Altstadt bewundern. Über Vlotho thront die Burgruine. Von dort hat man einen schönen Panoramablick auf die Weser.

Nächste Etappenstadt ist Bad Oeynhausen. Nach der Entdeckung der ersten Salzquelle im Jahre 1745 wurde bereits 1750 eine erste Saline gebaut. Hundert Jahre nach der Entdeckung der Salzquelle ist dort dann die erste Thermalsolequelle erbohrt worden. Seither entwickelte sich Oeynhausen zum Heilbad. Auch in diesem Ort findet man viele interessante architektonische Bauwerke, zwar nicht im Stile der Weser-Renaissance aber mit Elementen des Spätklassizismus sowie Historismus, Jugendstil, Neoklassizismus und der Moderne.

In Bad Oeynhausen befindet sich auch das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum. Es zeigt umfassende Sammlungen aus Märchen und Sagen sowie Illustrationen und Skulpturen zum Thema Märchen. An jedem ersten Freitag im Monat werden in dem Haus Erzählstunden für Groß und Klein abgehalten.

13. Etappe: Bad Oeynhausen - Wiedensahl (40 bis 56 km)

4-Sterne-Weserradweg und flach, Landradwege nach Wiedensahl, sehr gut ausgebaut, gute Beschilderung, familientauglich

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Innerorts führt der Weg entlang der Werre aus Bad Oeynhausen heraus bis zum Weser-Radweg, der nach wenigen Kilometern erreicht wird. Nun radelt man wieder auf dem hervorragend präparierten Radweg Richtung Norden. Nächstes Highlight ist die Weserpforte, wo sich der Fluss den Weg durch das Weserbergland bahnt. Bei Porta Westfalica erinnert das weithin sichtbare Kaiser-Wilhelm-Denkmal an den Flussdurchbruch. Dahinter öffnet sich die Norddeutsche Tiefebene. Für Radfahrer bedeutet es, dass weiterhin ausschließlich flache Etappen angesagt sind. Minden heißt das nächste Ziel. Die einst blühende Handelsstadt am Rand des Weserberglands ist leider im 2. Weltkrieg stark zerstört worden, sodass von den spätmittelalterlichen Backsteinbauten nur einer übrig geblieben ist. Bekannt ist Minden auch für sein großes Wasserstraßenkreuz zwischen Weser und Mittellandkanal. Wer Zeit einplant, kann sich das faszinierende Schleusen-Schauspiel vom Schiff aus anschauen.

Weiter entlang des Weser-Radwegs wird kurz vor Petershagen der Fluss überquert. In Lahde zweigt dann die Route nach Wiedensahl ab. Nun geht es mit regionaler Wegweisung über Land nach Wiedensahl, wo Wilhelm Busch geboren wurde und lange Zeit gelebt und gewirkt hat. Im typisch niedersächsischen Straßendorf stößt man mitten im Ort auf das Geburtshaus, heute ein Museum mit vielen Zeichnungen und Exponaten des Künstlers.

Weiter voran im Dorf, befindet sich im Gemeindehaus neben der Kirche, ein weiteres Museum mit Atelier und Schlafzimmer des Künstlers. In diesem einstigen Pfarrhaus lebte seine Schwester als Frau des Pfarrers. Da im Hause genügend Platz war, konnte Wilhelm Busch auch hier zeitweise leben.

Buschs Geschichten waren seinerzeit ein Novum, da er auch als begabter Maler und Zeichner seine Texte selbst illustrierte. Man könnte sagen: Busch ist der Erfinder des Comics. 

Eine 25 km lange Radwanderstrecke führt als „Wilhelm Busch Route“ rund um das Dorf zu den Inspirationsorten von Wilhelm Busch. Allerdings sind hier nur wenige Gästebetten vorhanden. Es bietet sich daher evtl. an, auch in den Ortsteilen von Rehburg-Loccum auf Quartierssuche zu gehen (z. B. in Loccum oder auch Münchehagen). 

14. Etappe: Wiedensahl / Rehburg-Loccum - Nienburg (63 bis 48 km)

Ländliche Radwege über Loccum, Münchehagen und dem Steinhuder Meer, zurück zum Weser-Radweg bei Landsbergen, dann entlang der Weser bis Nienburg;  einfach, gut ausgebaut und ausgeschildert.

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Von Wiedensahl nach Loccum folgt die Tour der „Großen Weserlandroute“ nach Loccum mit dem im Jahre 1163 gegründeten Kloster, welches heute evangelisch ist. Das einstige Zisterzienserkloster zählt zu den besterhaltenen Deutschlands.

In Bad Rehburg liegen die historischen Kuranlagen (Km 6). Hier wurde ein Märchenpfad mit Holzskulpturen zu den Grimm‘schen Märchen angelegt (Brüder Grimm Märchenweg ).

Der weitere Radweg folgt einer Schleife nach Münchehagen. Empfehlenswert ist der Besuch des hier ansässigen Dinosaurier-Parks. In diesem Freilicht-Museum kann man auch Original-Trittspuren von Dinos bestaunen, die hier im ehemaligen Steinbruch gefunden wurden. Außerdem stehen im weitläufigen Park zahlreiche beeindruckende lebensgroße Nachbildungen der Urwelttiere.

Nur etwas entfernt, stößt man durch das Naturschutzgebiet Meerbruchwiesen auf das Steinhuder Meer. Ein Meerbrucherlebnispfad informiert über die Natur und von einem Beobachtungsturm aus kann man die Vogelwelt im Sumpfgebiet beobachten.

Außerhalb des NSGs findet man in Rehburg noch Reste einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage von denen man die Erdwälle noch erkennen kann. Über Nebenstraßen im Zickzack-Kurs kommt man bei Landesbergen wieder zur Weser. Der schon hinreichend befahrene und bekannte Weser-Radweg bringt den Radler anstrengungsfrei nach Nienburg, ein Städtchen mit hübscher Altstadt, welche man über 500 Bärentatzen zu den Sehenswürdigkeiten erkunden kann.

15. Etappe: Nienburg – Verden (51 km)

4-Sterne-Weserradweg, sehr gut ausgebaut, sehr gute Beschilderung, familientauglich

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Diese Etappe verläuft wieder auf dem vertrauten Weser-Radweg. In Drakenburg, etwas abseits der Route, bietet an heißen Tagen der Wassererlebnisbereich „Wassarium Drakenburg“ eine willkommene Abkühlung.

Über Felder und Wiesen fährt man auf das weithin sichtbare Wahrzeichen des Hoyaer Landes zu. Es ist die beeindruckende Doppelturmfassade der Stiftskirche St. Materniani et St. Nicolai. Der wuchtige romanische Kirchenbau hat eine reiche Innenausstattung mit Triumpfkreuz, Steinkanzel, Lübecker Altar und Chorgestühl. Fünf Kilometer weiter in Hoya trifft man auf eine kleine Altstadt in der die Zwergensage „Der Graf von Hoya“ spielt, die auch zu der Grimm’schen Märchensammlung gehört. Vor der Grundschule befindet sich -in Erinnerung an diese Sage- der Zwergenbrunnen. Direkt an der Weserbrücke thront das ehemalige Schloss Hoya.

Der Weg folgt weiter in gebührendem Abstand der Weser, die hinter Oiste überquert wird. Vor Verden hat man noch die Möglichkeit von einem Aussichtpunkt einen schönen Blick über die Stadtsilhouette von Verden zu bekommen. Mittendrin der der imposante Dom –die älteste Backsteinkirche Norddeutschlands. Auch das Rathaus ist sehenswert, hat es doch einen markanten Turm. Ursprünglich bestand Verden aus zwei Städten, aus der Norderstadt und dem Süderende. Erst unter der Herrschaft der Schweden sind diese im Jahre 1667 vereinigt worden. Die bekannte Reiter- und Pferdezuchtstadt beheimatet auch das Deutsche Pferdemuseum.

16. Etappe: Verden – Bremen (52 km)

4-Sterne-Weserradweg, sehr gut ausgebaut, sehr gute Beschilderung, familientauglich. In Bremen sehr gute breite Radwege und rot asphaltierte Fahrradstraßen.

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Nördlich von Verden führt der Radweg kurz vor der Allermündung an einer Storchenstation vorbei. Hier werden kranke oder verletzte Tiere gepflegt. Im angegliederten Besucherzentrum kann man sich über die Arbeit in dieser Station informieren.

Nun radelt man parallel zum Schleusenkanal Richtung Achim, wo der Radweg wieder zur anderen Flussseite wechselt. In Thedinghausen lohnt sich der Besuch des Erbhofes, denn der Herrensitz gehört zu den herausragenden Bauten der Weser-Renaissance. Genauso sehenswert ist das Ensemble historischer Gebäude, welches das Rathaus umringt.

Hinter Thedinghausen nähert sich die Etappe im Zickzack-Kurs immer mehr dem linken Ufer der Weser an. Schließlich verläuft der Weg öfter über die Deichkrone bis nach Bremen. Die alte Hansestadt wartet mit vielen interessanten Sehenswürdigkeiten auf. Allen voran das Bremer Rathaus, welches mit dem davor befindlichen Roland zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt.

Gegenüber dem Rathaus befindet sich der Schütting, ein mit feingliedriger Fassade beeindruckender Renaissancebau, der an die imposanten Häuser der einst reichen Handelsstädte Flanderns erinnert. Neben dem Rathaus, etwas im Hintergrund aber wegen des überragenden Turmportals ebenso präsent, der St.-Petri-Dom. Auf der anderen Seite des Marktes rundet eine historische Häuserzeile das Bild ab. Das einzige Bauwerk, welches nicht so ganz in das Ensemble rund um den Markt passt, ist das Senatsgebäude der Bremischen Bürgerschaft. Seitlich am Rathaus findet man das vielbesuchte Bronze-Denkmal der Bremer Stadtmusikanten. Man erkennt an den blanken Vorderläufen des Esels, dass der Brauch, diese anzufassen, weil es Glück bringen soll, von etlichen Besuchern befolgt wird.

Bremen hat auch zahlreiche interessante Viertel, die man gesehen haben muss. Da ist zunächst die Böttcherstraße, die direkt neben dem Schütting beginnt und unter Denkmalschutz steht. In den Jahren zwischen 1922 und 1933 erbaut, wird die Architektur dem Backsteinexpressionismus zugeordnet. Unweit des Marktes, Richtung Weser, trifft man auf das urige Schnoor-Viertel, einst ein heruntergekommenes Armenviertel, welches abgerissen werden sollte aber durch Bürgerproteste erhalten blieb und saniert wurde.

Heute gehören die verwinkelten Gässchen zum beliebtesten Altstadtquartier mit zahlreichen Restaurants und Kneipen und etlichen ausgefallenen Souvenirlädchen. Direkt an der Weser ist im Rahmen des Expo 2000-Projekts „Stadt am Fluss“ die Flaniermeile und Uferpromenade „Schlachte“ entstanden, die mit ihren Lokalen ebenfalls für Einheimische und Touristen beliebt ist.

Natürlich kann man in Bremen auch renommierte Museen besuchen. Allen voran, die Bremer Kunsthalle. Aber auch das Überseemuseum oder die Weserburg sind besonders sehenswert. Für Freunde der naturwissenschaftlichen Entdeckungen ist der Besuch des Universums ein Muss.

17. Etappe: Bremen – Zeven ca. 60 km

Zunächst innerstädtischer Radweg durch Bremen nach Norden, dann über den Radfernweg Hamburg-Bremen, gut ausgebaut und beschildert, familientauglich, auch befahrbare naturnahe Abschnitte.

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Durch Bremen radelt man nördlich durch den Bürgerpark an der Universität und dem naturwissenschaftlichen Museum Universum vorbei.

Hinter dem vornehmen Ortsteil Borgfeld stößt man auf das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen, eine artenreiche Auenlandschaft, die auf vielfältige Weise vom Wasser geprägt ist. Wiesen und Weiden werden im Winter überflutet und dienen so tausenden von Zugvögeln als Rastplatz. Im Frühjahr bereichern blühende Feuchtwiesen das Naturerlebnis. Feldlerche, Bekassine und Brachvogel können aus der Nähe beobachtet werden. Die Borgfelder Wümmewiesen gehen in die Fischerhuder Wümmeniederung über. So rollt man entspannt und bequem ein gutes Stündchen durch dieses einzigartige Naturschutzgebiet Richtung Fischerhude, wo am Dorfende das Otto-Modersohn-Museum zum Besuch einlädt. Modersohn zählt als Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede zu den bedeutenden deutschen Landschaftsmalern.

Hinter Fischerhude schwenkt die Route nach Norden. Zwischen Buchholz und Wilstedt wachsen die sogenannten „Kratteichen am Holzberg“. Es handelt sich hierbei um knorrige Bäume, die durch starken Wind, Wildverbiss und karge Böden so einzigartig gewachsen sind und wie märchenhaft verwunschene Eichen aussehen. Im weiteren Verlauf des Weges folgen kleinere Ortschaften wie Vorwerk, Winkeldorf und Nartum. Sehenswert in Vorwerk sind die alten Bauernhäuser. Am Rande des Weges findet man in Nartum Reste eines Großsteingrabs.

Ab hier taucht der Radweg in absolute Natur ein. Durch die Feuchtwiesenlandschaft ist dann der Weg für ein kurzes Stück naturnah belassen aber dennoch befahrbar. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Etappenziel. Es liegen nur noch die Weiler Wehldorf, Wistedt und Aspe an der Strecke bevor man das Ortsschild von Zeven erblickt. In Zeven gibt es einen schönen Brunnen mit dem Namen „Pferdehändler“ am Rathaus. Sehenswert ist auch der Stadtpark und das Museum Kloster Zeven.

18. Etappe: Zeven - Buxtehude (62 km)

Die Route folgt dem Radfernweg Hamburg-Bremen bis Hollenstedt, dann schwenkt der Weg entlang der Este nach Buxtehude, gut ausgebaut und beschildert, kurze Kopfsteinpflaster-und Schotterstrecke, überwiegend familientauglich.

Schwierigkeitsgrad:    leicht
Wegequalität:             ★★★★
Beschilderung:           ★★★★

Von Zeven aus folgt man weiter der Beschilderung des Radwegs HH-HB über Heeslingen und Weertzen nach Sittensen. Das Handwerkermuseum in der historischen Mühle zeigt hier anhand authentisch eingerichteter Werkstätten, wie früher Schuster, Uhrmacher oder Blaudrucker gearbeitet haben. Unweit davon stößt man auf das restaurierte Heimathausgelände mit Niedersachsenhaus, Backhaus, Speicher und Schafstall, idyllisch an der Oste gelegen.

Bei Burgsittensen beginnt das Tister Bauernmoor, eine einzigartige Moorlandschaft, welche als Natur- und Vogelschutzgebiet tausenden Vögeln auf dem Weg nach Norden oder in den Süden Europas ein ideales Terrain zum Rasten und Schlafen bietet. Die Moorbahn bringt den Besucher zum 6,50 m hohen Beobachtungsturm, von wo aus man dieses Naturschauspiel hautnah miterleben kann.

Nördlich von Heidenau holpert man ein kurzes Stück über Kopfsteinpflaster und im Anschluss daran eine Schotterpiste. In Hollenstedt wechselt die Route dann auf den Este-Radweg Richtung Buxtehude. Am Wegesrand befindet sich in Moisburg eine schöne Wassermühle, die als Museum eingerichtet ist. Es lohnt sich dort einzukehren. Buxtehude ist jetzt nicht mehr weit.

Über die Altstadt mit ihren Grachten und Fachwerkbauten im norddeutschen Klinkerstil erreicht man den Hase- und Igelbrunnen. Hier endet die Deutsche Märchenstraße.

Noch nicht genug Fahrrad gefahren?  Kein Problem: Die Brüder Grimm zogen 1841 von Kassel nach Berlin. Hier setzten Sie ihre Arbeit am Deutschen Wörterbuch fort. An die deutsche Märchenstraße ist Berlin nicht angebunden. Denn zu ihrer Gründung 1975 war Deutschland noch geteilt.

Heute bietet sich eine Weiterreise nach Berlin an. Von Buxtehude aus kann die deutsche Bundeshauptstadt über die Radfernwege entlang von Elbe und Havel erreicht werden.

Alle Berliner Wohnorte der Brüder Grimm wurden im II. Weltkrieg vernichtet. Die Ehrengräber finden sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg. Wilhelm Grimm wurde hier 1859 beigesetzt, Jakob Grimm verstarb 1863. In Berlin finden sich mehrere Märchenbrunnen: Der bekannteste ist der große Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain mit Motiven aus neuen Volksmärchen. Weitere Brunnen sind der Froschkönigbrunnen in Pankow, der Neuköllner Märchenbrunnen sowie der Gänselieselbrunnen in Wilmersdorf.

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